HalleWestfalen. 15. Juni 2007. Auf einer Gesamtfläche von über eineinhalb Hektar entsteht derzeit ein Grüngürtel, der das Haller Neubaugebiet Bachweide nach Süden und Westen abschirmt. Hindurch fließt der Kleinebach, der sich jetzt auf einer Länge von hundert Metern in seinem neuen Bett breit machen kann.
Während nebenan neue Häuser gebaut werden und Gärten entstehen, wächst nebenan ein attraktiver Naturraum: In mehreren Arbeitsschritten wurde jetzt der Grüngürtel gestaltet, der das attraktive Neubaugebiet halbseitig umschließt. Besonderer Augenmerk von Planern und Landschaftsgärtnern genoss dabei der Kleinebach: Das ehemals befestigte gerade Bett wurde aufgebrochen, nach Norden ein zweiter Damm aufgeschüttet. Südlich wird das Bachbett von einer alten Mischwaldreihe begrenzt, die ebenfalls auf einem Wall steht. Zwischen den beiden Anhebungen, auf einer Fläche von über tausend Quadratmetern kann der Bach jetzt sein neues Bett selbst formen, im Zusammenspiel von sommerlichem Trockenfallen und herbstlichem Hochwasser neue Biegungen ausbilden.
Den Sinn der bewusst natürlichen Landschaftsgestaltung erklärt Stephan Borghoff, Leiter der Umweltabteilung im Haller Rathaus: „Wir hatten durch die besondere Lage am Stadtrand beim Neubaugebiet Bachweide die Möglichkeit, die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsfläche größtenteils in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Häusern zu gestalten.“ Durch die Aufweitung des Bachbettes entsteht nicht nur wertvoller Naturraum für Vögel, Libellen und andere Kleintiere sondern auch ein natürliches Rückhaltebecken für Regenwasser. Das spielt an dieser Stelle eine Rolle, denn südlich der Bachweide mündet auch der Überlauf des Regenrückhaltebeckens Schloerstraße in den Kleinebach.
Am Bachbett wurden als Initialpflanzungen Iris und Schilf angesiedelt, sie sollen auf Dauer der Tierwelt Rückzugsraum bieten. Doch auch die Menschen werden ihren Nutzen von dem Grüngürtel haben. Auf dem nördlichen Damm soll ein Fußweg angelegt werden. Auf den Grünflächen zu den Grundstücken hin sind bereits Apfelbäume gepflanzt worden. Zur Bachseite wurde eine Reihe Kopfweiden gesetzt. Entlang des Dammes wird so in den nächsten Jahren eine kleine Allee heimischer Gehölze entstehen.
Der Grüngürtel, der den Maschweg im Südwesten mit dem Künsebecker Weg im Nordosten des Baugebiets verbindet, soll im weiteren Verlauf noch mit einem Spielplatz für die jüngsten Bewohner und einer Streuobstwiese bereichert werden. Den Rasenmäher werden die Grünflächen außerhalb des Spielplatzes jedoch selten zu sehen bekommen. Borghoff: „Uns ist wichtig, dass sich die Natur hier in den nächsten Jahren optimal entwickeln kann.“ Im Zuge der weiteren Stadtentwicklung ist geplant, den Grüngürtel der Bachweide nach Nordosten weiter zu verlängern. Borghoff: „Sinn erhalten solche Stadtbildprägenden Grünzüge für die Pflanzen und Tierwelt vor allem dann, wenn sie miteinander verbunden werden.“
Familien die in der Bachweide bauen sind nicht nur die ersten Nutznießer des neuen Grüngürtels, sie haben auch maßgeblich zur Finanzierung beigetragen: Pro Quadratmeter Grundstücksfläche zahlten sie anteilig drei Euro für die Ausgleichsfläche. Gut angelegtes Geld, denn wie gesagt: Dass eine so große Grünfläche in unmittelbarer Nachbarschaft eines Neubaugebiets angelegt werden kann, ist eher selten. Häufig erfolgt der Ausgleich für die Versiegelung der Landschaft an weiter entfernten Orten. Ein Beispiel dafür sind rund 1,5 Hektar Wald, die am Grünen Weg aus Mitteln des Ausgleichsfonds aufgeforstet wurden.