Halle. 17. Juni 2006. Halle hat jetzt als erste Kommune im Norden des Kreises Gütersloh ein so genanntes Umlegungsverfahren zur Entwicklung eines Baugebiets abgeschlossen. In knapp drei Jahren wurden in der Bachweide durch die Neuordnung der Besitzverhältnisse aus ehemals 15 jetzt 112 Grundstücke.
Ein Umlegungsverfahren ist ein Instrument des Deutschen Baugesetzbuchs, um Stadtentwicklung dort zu ermöglichen, wo sich ein Teil der Eigentümer gegen die Umsetzung der Bauleitplanung wendet. Das Haller ist das erste Bauamt im Norden des Kreises, das dieses Instrument einsetzt. Warum, erklärt Jürgen Keil, Fachbereichsleiter Planen – Bauen – Umwelt im Haller Rathaus und allgemeiner Stellvertreter von Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann: „Aufgrund des Landschaftsschutzes im Norden und Westen unserer Innenstadt und weil Stadtentwicklung in den Ortsteilen nur in ganz kleinem Rahmen zulässig ist, steht uns in Halle heute und in Zukunft nur die Süd-Ost-Richtung für die Wohnbaulandentwicklung zur Verfügung. Die Bachweide liegt genau in dieser Entwicklungsachse.“ Auch künftig würden dort Umlegungsverfahren durchgeführt, wo ein Grundstückserwerb durch die Stadt nicht möglich sei.
Hinter Jürgen Keil und seinem Team vom Haller Bau- und Planungsamt liegen seit dem Verfahrensstart im Juli 2003 viele anstrengende Monate: Die Interessen von ehemals acht Eigentümergemeinschaften und Eigentümern mussten unter einen Hut gebracht werden. Bei diesem streckenweise sehr schwierigen Prozess half das auf Umlegungen spezialisierte Büro Dr.-Ing. Drees und Schlüter aus Münster. Ein fünfköpfiger Umlegungsausschuss, bestehend aus Experten von Grundstücksbewertung und Vermessung sowie aus den in Sachen Stadtplanung sehr erfahrenen Haller Stadträten Ulrike Sommer (SPD) und Fritz Weßling (CDU) fasste die notwendigen Beschlüsse. In insgesamt fünf Sitzungen des Ausschusses wurden die Interessen der Beteiligten abgewogen und die Entscheidungen gefällt. Seit dem 8. Juni ist das Ergebnis des Verfahrens unanfechtbar.
Im Zuge der Bodenneuordnung an der Bachweide galt es zudem noch drei von vier Eigentümergemeinschaften aufzulösen. Aus ehemals acht Eigentümern auf der 7,3 Hektar großen Gesamtfläche der Bachweide sind mittlerweile 19 geworden. 15 Grundstücke wurden so überplant und geteilt, dass sie jetzt als 112 neue Flurstücke neu vermessen wurden. Abschließend steht noch die Übernahme in das Liegenschaftskataster und die Korrektur der Grundbücher an.
Auch wenn das Verfahren zur Grundstücksneuordnung abgeschlossen ist, sind sich die Beteiligten noch nicht ganz einig über die Berechnung der Ausgleichszahlungen. Keil: „Über einen Antrag auf gerichtliche Entscheidung muss noch die Kammer für Baulandsachen des Landgerichts in Detmold entscheiden.“
Froh über den Abschluss des Umlegungsverfahrens zeigt sich auch Burkhard Witte, Verkaufsleiter bei Viebrockhaus-Partner Bauträger Bethel: „Die Unanfechtbarkeit des Verfahrens macht unseren Zeitplan noch sicherer.“ In wenigen Tagen werde der Straßen- und Kanalbau abgeschlossen sein. Dann kann auch schon mit dem Bau der ersten Häuser in der Bachweide begonnen werden.
Laut Keil werde das Umlegungsverfahren Bachweide nicht das letzte Verfahren in der Lindenstadt sein. Deshalb bleibe der gebildete Umlegungsausschuss auch bestehen. Als nächstes Projekt soll die Flächenneuordnung zum Endausbau der Jahnstraße auf den Weg gebracht werden, weitere würden in absehbarer Zeit folgen.